Aug 202017
 

Wie bei vielen internationalen Laufveranstaltungen üblich, bilden die Staffelwettbewerbe den krönenden Abschluss – so auch beim Biathlon-Orientierungslauf.
Wiederum lag das Wettkampfzentrum im Biathlonstadion von Timrå – Skönsviksberget, der Ziel- und Schießbereich war uns also bereits bestens bekannt.
Zu unserer aller Überraschung hatte es der Ausrichter jedoch verstanden, uns einige Waldpassagen „vorzuenthalten“ – und diese kamen uns „Festlandeuropäern“ durchaus entgegen. Gleich nach dem Start erwartete uns eine Kombination zwischen dänischen Küstendünen und traumhaften märkischem Dünenwald.

Der Staffelwettbewerb im Biathlon-OL besteht pro Wettkämpfer…  aus zwei Durchläufen mit Schießeinlage „Liegend“ und am Ende mit „Stehend“.
Im Gegensatz zu dem von der Anlage her ähnlichem „Sprint“ – und dies ist durchaus verwandt mit dem „Winterbiathlon“ –  stehen bei jeder Schießeinlage, zusätzlich zu dem Magazin mit fünf Schuss, noch drei Reservepatronen zur Verfügung.

Massenstart der Herrenelite

Erst wenn auch diese verschossen sind, werden dann für die verbliebenen Nicht-Treffer die obligatorischen Strafrunden (wieder ca. 300 m lang) absolviert. Während in der Herrenelite Dreierteams an den Start gehen, bestehen die Staffeln aller anderen Kategorien aus zwei Mitgliedern.
Weltmeistertitel und Medaillen gibt es (natürlich getrennt in Damen und Herren) in den Kategorien Junioren, Elite, Senioren AK 70 -; AK 95- und 120 -.
Wie auch im deutschen OL bekannt, spiegeln diese Zahlen in den Seniorenkategorien das Mindestalter beider Ü35-Athleten wieder.

In Ermangelung vorhandener Teilnehmer in anderen Jugendklassen stellte Deutschland zwei männliche Juniorenteams (H 20) auf… Für das erste würden Marie Herrnhold (D 20) und der noch 15-jährige Tim Dalheimer (beide Berliner TSC) starten.
Mit den beiden 13- bzw. 14- Jährigen, Bjarne Wolf (OLV Potsdam) und Niklas Braatz (SV Woltersdorf), wurde ein zweites H 20 – Team nominiert, weil für eine H 16- Staffelwertung mit nur einem weiteren gemeldetem schwedischen Team zu wenig Konkurrenten am Start waren. Beide Teams würden also gegen größtenteils ältere und erfahrenere Konkurrenz laufen.

Unser Herreneliteteam startete in der Reihenfolge Sebastian Fleiß – Karsten Blume – Tobias Schwartz (alle TSC). Die beiden deutschen Seniorenteams stellten sich in der H 95 mit Matthias Dalheimer (Berliner TSC) und Dr. Frank Braatz (IHW Alex 78), die H 120 mit Startläufer Jürgen Schwanitz (TSV Deggendorf) und Bernd Wollenberg (TSC).

Zum Wettkampfgeschehen:

Kurz vor Startbeginn klärte sich das Wetter doch tatsächlich noch einmal zu blauem Himmel und Sonnenschein auf. So erfreulich dies auch war, zauberte dieser Umstand jedoch bei so manchem erfahrenen Biathleten Sorgenfalten ins Gesicht. Beim frühmorgendlichem „Anschießen“ war es nämlich noch recht nebelig… und das bedeutete, zumindest für die erfahrenen Schützen, Umstellung der Schießtechnik auf nun gänzlich andere Witterungsbedingungen.
Darüber hinaus ließen einige kräftige Windböen aus Richtung West schwierige Schießbedingungen erwarten – und die bedeuteten natürlich auch unter Umständen ein Mehr an Strafrunden…

Einen fantastischen Start brachte Sebastian Fleiß dem deutschen Team mit dem – erstmals in seiner Karriere fertig gebrachten – Kunststück, beim Liegendschießen alle 5 Ziele zu treffen. Er kam nach seiner zweiten, fast fehlerfreien Laufrunde auf Platz Neun zurück  – und auch hier hatte er nur einen Fehlschuss. Demzufolge konnte Karsten Blume als zweiter Staffelläufer das vor ihm gestartete Dänemark II überholen und vor dem Dänen Allen Reiche Andersen sein erstes Schießen angehen. Während es der dänische Militärsportler Sebastian nachtat und 5 Mal traf, musste Karsten gleich drei bittere Strafrunden absolvieren – nun also Platz 10. Seine fehlerfreie Laufrunde und nur zwei Fehler beim Stehendschießen ergaben, dass Tobias als Schlussläufer erneut als Nummer Neun in seine erste Runde ging und sogar als Nummer

Wechsel von Sebastian Fleiß auf Karsten Blume

Acht aus dem Wald zurückkam.
Noch während des Liegendschießens kam dann aber die niederschmetternde Information: „Ich habe einen Posten vergessen“.
Dies endet natürlich tragischerweise in einer Disqualifikation – es wäre das beste Eliteergebnis für Deutschland geworden. Ein Abbrechen kam aber für ihn nicht infrage. Seine Teamkameraden stärkten im demonstrativ den Rücken, sodass er tapfer seinen zweiten Lauf und beide Schießeinlagen nebst den 9 (!) zu absolvierenden Strafrunden abarbeitete.

Unsere anderen Teams kämpften ebenfalls um „Ruhm und Ehre“. Tim übergab als vierter nach ärgerlichen fünf Strafrunden auf Marie. Sie schlug sich wacker gegen die jungen Männer – mit einem super Schießergebnis und nur zwei Strafrunden sowie der viertbesten Laufzeit auf der komplizierteren zweiten OL-Runde brachte sie unserem „Männerteam“ insgesamt Platz fünf ein. Lediglich dem finnischen Waldemar von Frenckell musste sie sich geschlagen geben.
Unser zweites Juniorenteam um Bjarne und Niklas (nur zwei Strafrunden beim Stehendschießen – Gratulation!) „profitierte“ von etlichen Fehlstempeln einiger Konkurrenten und konnte sich über den siebenten Platz freuen.

Zu unseren Senioren:

Unser H95-Team wäre im Nachhinein in der H70 wahrscheinlich besser gelaufen – dort war nämlich nach Platz Zwei schon Schluss – alle anderen waren „außer Wertung“…
In der 95´ziger Konkurrenz startete nach Herren –  und Damenelite mit 17 Teams das zahlenmäßig drittstärkste Feld.
Matthias Kalle Dalheimer erlief nach beiden Schießeinlagen und den OL – Strecken einen guten 11.Platz. Mit dem gab sich unser deutscher Altmeister Frank jedoch nicht zufrieden, lief und schoss fehlerfrei und brachte so Deutschland noch auf den 10. Platz.
Unsere „Altseniorenteam“, bestehend aus dem neunmaligen Polizei-OL-Weltmeister und früheren Polizeidirektor Jürgen Schwanitz und dem langjährigen Militär-OL´er Bernd Wollenberg, kommen sicherlich gut mit OL in allen Geläufen zurecht, aber im Schießen mit den „Langwaffen“ (Biathlongewehr) taten sich beide wieder schwerer als erwartet.
OK, „früher“ haben sie mit ihren Dienstwaffen (Pistolen unterschiedlicher Fabrikate) wesentlich besser getroffen. Während Jürgen quasi ein unfreiwilliges Lauftraining mit gesamt 10 Strafrunden absolvierte, konnte Bernd, bekannt für seine „Lauffaulheit“ sich mit deren sechs begnügen. Endresultat: Platz Sieben.

Fazit aus deutscher Sicht:

Zwar gab es 2017 kein Gold und Silber, dafür aber zweimal Bronze und achtmal Top-6. Und rechnen wir die „Rahmenkonkurrenz“ der H 16 hinzu mit einmal Platz 1, zweimal Platz 2 und einmal Platz vier sollten wir doch recht zufrieden sein. August 2018 geht es zur WM nach Dänemark, auf die wir mit den gebrachten Leistungen positiv nach vorn blicken können.

 

 

Text: Bernd Wollenberg, editiert von Marie Herrnhold

Fotos: Jürgen Schwanitz, Hans Mandahl, Bernd Wollenberg

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